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Erinnerung an den „heiligen Doktor“ Haass

Im Jahre 1984 veröffentlicht der russische Germanist,Schriftsteller und Humanist Lew Kopelew das Buch „Der heilige Doktor Fjodor Petrowitsch. Die Geschichte des Friedrich Joseph Haass – Bad Münstereifel 1780 – Moskau 1853“. Der Verfasser begann die Arbeit an diesem Buch 1976 in Moskau und beendete sie - nach seiner Ausbürgerung im Jahre 1981 – in dem kleinen Eifelstädtchen Bad Münstereifel. Dort wurde im Jahre 1780 Friedrich Joseph Haass als viertes von neun Kindern in einer Apothekerfamilie geboren. Und wie sein Lebensweg ihn nach Moskau geführt hat, wo er fast 50 Jahre lebte und als Arzt wirkte, war das Thema eines Kulturabends, den der Verein IRWA am 25. Februar 2011 in Köln veranstaltete. Ausführlich zeichnete das deutsch-russische Referenten- Duo Karl H e n n i g und Marina Z a r e t s k a j a den Lebensweg dieses ungewöhnlichen und noch viel zu unbekannten Mannes nach.

Von Kindheit an katholisch geprägt, besucht der Jüngling das Jesuiten-Gymnasium in seiner Heimatstadt. Nach dem Abitur studiert er Medizin und Naturwissenschaften in Köln, Jena und Göttingen. Zugleich interessiert er sich leidenschaftlich für die zeitgenössische, in Blüte stehende Philosophie. Seine Berufung ist jedoch die Heilkunde und so wird Haass im Juli 1805 in Göttingen zum Doktor der Medizin promoviert.Ein Jahr später nimmt er das Angebot des Fürsten Repnin an, als dessen Hausarzt nach Russland zu gehen. Auf diese Weise gelangt er nach Moskau, wo er als freier Arzt zu praktizieren beginnt. Kostenlos behandelt er die Armen. Seine Heilungserfolge sprechen sich schnell herum Und so wird er schon bald zum Chefarzt des Pavlovskij-Krankenhauses berufen. Für seine erfolgreiche Arbeit wird er 1808 mit dem Vladimir-Kreuz IV.Klasse ausgezeichnet. Wenige Jahre später ernennt der Zar den deutschen Doktor zum Hofrat.

Als Stabsarzt in der Armee begleitet Haass die zaristischen Truppen in den Jahren 1812-14 bis nach Paris und kehrt nach der Abdankung Napoleons wieder nach Moskau zurück. Im Jahre 1825 beruft Fürst G o l y c i n - seit 1820 Gouverneur von Moskau - den deutschen Arzt und Immigranten zum obersten Stadtarzt von Moskau. In dieser Funktion versucht Haass Missstände im Krankenhaussystem zu beseitigen und Verbesserungen durchzusetzen. Doch dabei trifft er auf den Widerstand eines trägen Beamtenapparats, der ihm das Leben und die Arbeit schwer macht. Resigniert gibt Haass nach einem Jahr sein Amt als `Stadt-Physikus`auf.

Angesichts der desolaten Verhältnisse in den Gefängnissen wird 1828 in Moskau ein ´Gefängnisschutzkomitee` gegründet. Erneut bittet Gouverneur Golycin Dr. Haass um dessen Mitarbeit,ja: er ernennt ihn zum Chefarzt aller Moskauer Gefängnisse. Und damit eröffnet sich für den Deutschen ein neues weites Aufgabenfeld, in dem er bis zu seinem Tod in unermüdlicher Arbeit das christliche Gebot der Nächstenliebe in praktische Hilfe an den Außenseitern der Gesellschaft umsetzen wird: an den Kranken, den Strafgefangenen, den Verbrechern und ihren Angehörigen. Im Durchgangsgefängnis auf den Moskauer Sperlingsbergen kümmert sich Dr. Haass um jeden Häftling, lässt ihm medizinische Hilfe und geistlichen Trost zukommen. Noch heute lässt uns diese völlig selbstlose Form der praktischen Menschenliebe staunen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass man schon zu seinen Lebzeiten von Haass als dem „heiligen Doktor“ sprach. Nach seinem Tod begleiteten ihn Tausende von Menschen auf seinem letzten Weg zum Moskauer Vvedenskij - Friedhof. Seine Grabstätte befindet sich dort noch immer. Und noch immer legen dort unbekannte Menschen -in Erinnerung und in Verehrung des „heiligen Doktors“ – Blumen nieder.

P.S. In Bad Münstereifel erinnert eine Büste und eine Plakette am Geburtshaus an den berühmten Sohn der Stadt.
Weitere Informationen erhält man über die 1990 gegründete Friedrich Joseph Haass – Ge-sellschaft ( Tel. 02253 – 8154, Fax: 02253 – 960551) Internet: www.haass – gesellschaft.de)