Freitag, 15. Dezember 2017 - 01:50
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"Deutschland - meine Liebe"


Wie die Russlanddeutschen das Andenken der Dichterin Marina Zwetajeva pflegen

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Die große Dichterin Marina Zwetajewa (1892-1941) hegte schon in ihrer Kindheit eine große Liebe zu Deutschland. Ihre Mutter, Maria Alexandrowna Meyn, war eine Pianistin und Malerin deutscher Abstammung. Schon als Kind beherrschte die Dichterin die französische und deutsche Sprache. Sie beschäftigte sich mit der deutschen Literatur und schätzte die Werke von Novalis, Hölderlin und Heine. Mit ihrer Familie bereiste sie Deutschland, Italien und Frankreich, einen Teil ihrer Schulzeit verbrachte sie 1902-1904 in Lausanne und Freiburg.

Deutschland, wie Marina Zwetajewa es in Ihrer Kindheit und Jugend kennen lernte, war ein hoch entwickeltes Land, mit einem für die übrige Welt vorbildlichen Bildungssystem und einer blühenden Kultur. Daher zog es viele russische Intellektuelle, unter ihnen Pasternak und Mandelstam, zum Studium an deutsche Universitäten. Nach der Revolution verstärkte sich der Zustrom aus dem Osten und auch Marina Zwetajewa lebte zu Beginn der 20er Jahre in Berlin.

Seit knapp zwei Jahrzehnten erleben wir eine weitaus massivere Zuwanderung aus den postsowjetischen Ländern: Vor allem Russlanddeutsche kehren in das Land ihrer Vorfahren zurück, was neben allen Problemen, die ihre Integration mit sich bringt, aber auch das kulturelle Leben unseres Landes bereichert.

Für diese Bereicherung steht Lilia Vogelsang, die sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Leben und Werk Marina Zwetajewas beschäftigt.

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1990 siedelte die damals 33-Jährige Erzieherin mit ihrer Familie aus Russland nach Deutschland über. Auch für sie war der Anfang im neuen Land schwer. Sie fand Arbeit in der Altenpflege und schätzte sich glücklich, dass sie im Badischen lebte, nicht weit von den Orten, an denen die verehrte Dichterin einen Teil ihrer Jugend verbrachte. Schon vor ihrer Auswanderung hatte Lilia sich gewünscht, diese Orte in Deutschland zu besuchen. Der Wunsch erfüllte sich und sie konnte von nun an ihre Freizeit der Heimatforschung und dem Werk Marina Zwetajewas widmen: Sie dokumentierte das Leben der Dichterin in Deutschland, stöbert in Archiven und nahm an internationalen literarischen Konferenzen in Moskau, Prag und Paris teil; ein ganzes Jahr arbeitete sie an dem Film "Der märchenhafte Schwarzwald".

Seit dem Jahre 2000 organisiert sie zusammen mit der Kölner Dichterin Marina Zaretskaya im badischen Dreiländereck eine Gedenkveranstaltung. Es wird am Lagerfeuer gesungen, Gedichte werden rezitiert. Diese Veranstaltung findet immer am ersten Sonntag im Oktober statt.

Im Rahmen der Kulturarbeit des Vereins IRWA e.V. (Verein zur Integration der russlanddetuschen Wissenschaftler und Akademiker) werden Frau Vogelsang und Frau Zaretskaya am 15. April 2009 eine Veranstaltung in Köln durchführen, die sich mit Marina Zwetajewas Liebe zu Deutschland beschäftigt.

Hermann Palmen