Freitag, 15. Dezember 2017 - 01:50
Deutsch Deutsch Pусский Pусский
Startseite

Kulturprojekte > Artikel

Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Kasachstan


23. - 24. Oktober 2008, Karaganda

Internationale wissenschaftliche Konferenz
"Die Wissenschaftsgemeinde den ethnischen Deutschen in Zentralasien und der Russischen Föderation: Situation und Perspektive"

Dr. EDGAR FLICK

Nachteile und Voraussetzungen der beruflichen Integration rußlanddeutscher Akademiker und Wissenschaftler in Deutschland


Liebe Damen und Herren, Liebe Landsleute,

Die gespannte Situation bei der beruflichen Integration der russlanddeutschen Akademiker und Wissenschaftler in Deutschland entstand nach 1990.

Die Entwicklung der Einreise der Aussiedler und Spätaussiedler aus der ehemaligen UdSSR zeigt, dass ab 1950 bis 1989 von den 242 304 Rußlanddeutschen ca. 20 000 Akademiker nach Deutschland eingewandert waren. Aber 1990-2002 ist die Zahl der Akademiker bis 200 000 gestiegen. So eine große Zahl der hochqualifizierten Fachleute wurde nicht erwartet, auch in der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland.

Bei den eingereisten Aussiedlern bis 1989 waren sehr wenig Akademiker und Wissenschaftler. Die Mehrzahl waren Bauern, Tierzüchter, Steinarbeiter, Metallarbeiter, Elektriker, Tischler, Maschinisten, Krankenschwester, Transportarbeiter usw.

Ab 1990 hat sich die Situation gründlich verändert. Es kamen nicht tausende, sondert hundert tausende Akademiker und Wissenschaftler. Das waren hochgebildete und hochqualifizierte Fachleute in verschieden Branchen (Technik, EDV, Physik, Chemie, Bauwesen, Maschinenbau, Betriebswirtschaft, Soziologie, Schulbildung, Geschichte, Kunst, Sport usw.).

Bis zum heutigen Tag wird das akademische Potential der Aussiedler und Spätaussiedler in Deutschland nicht adäquat eingeschätzt. Alle mit oder ohne Ausbildung sind auf eine gleiche Stufe gestellt.

Man musste und sollte diesen hochqualifizierten Leuten helfen bei der Bewerbung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Aber die Landsmannschaft beschäftigte sich mit anderen, auch wichtigen Fragen, und war nicht bereit dieses Problem zu lösen. Es entstanden verschiedene Vereine und Verbände, die versuchten, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. Viele von denen existieren nicht mehr.

Unser Verband zur Integration der russlanddeutschen Wissenschaftler und Akademiker e.V. (IRWA) beschäftigt sich mit dieser Frage ab 1999. Das ist ein eingetragener und gemeinnütziger Verein.

Der Schwerpunkt unserer Tätigkeit ist NRW, obwohl wir auch in anderen Teilen der Bundesrepublik über Mitglieder und Gruppen verfügen. Die Zahl dieser Fachleute ca.250 000 Akademiker und ca. 30 000 Wissenschaftler, von denen ca. 55 125 in NRW beheimatet sind. In Köln leben 57 250 Spätaussiedlern.

IRWA fördert bei beruflicher Orientierung und gezielter Vorbereitung auf den Berufseinstieg, hilft erste Kontakte mit dem Wunscharbeitgeber anzuknüpfen.

In der Datenbank des Verbandes sind mehr als 600 Spätaussiedlern, die sich für verschiedene Branchen bewerben. Darunter 230 Lehrer.

Um diesen Leuten zu helfen, wurde ab 1.April 2002 eine Information-Beratungsstelle bei unserem Büro in Köln gegründet. Alle unsere Mitglieder bekamen die Möglichkeit, ein Stellenangebot zu beantragen und ein Ausschreiben zu bekommen. Ab Mitte September 2002 konnten wir unseren Mitgliedern 45 Lehrerstellenangebote als Seiteneinsteiger/innen in Grundschulen, Hauptschulen und Gesamtschulen NRW anbieten.

IRWA beschäftigt sich nicht nur mit Akademikern und Wissenschaftlern, sonder auch mit ihren Familienmitgliedern. Dazu gehören auch Jugendliche.

Über die Nachteile der beruflichen Integration der Aussiedler und Spätaussiedler wird in russischsprachigen Zeitungen in Deutschland, in Zeitungen Russlands und sogar in der Zeitung Franc Presse in Frankreich diskutiert. Nur in der Deutschen Presse gibt’s keine Veröffentlichungen zu diesem Problem, obwohl regelmäßige Artikel über Verbrechen der jungen Aussiedler erscheinen.

Das Klima in der Familie ist sehr von den beruflichen Tätigkeiten der Eltern abhängig. Dass der Vater oder die Mutter keinen Job als ausgebildete Fachleute bekommen und als Sozialhilfeempfänger oder als Arbeiter oder Putzfrau Geld verdienen müssen, obwohl sie Hochschulbildung im Herkunftsland erworben und mehrere Jahren erfolgreich in ihren Fachbereichen gearbeitet haben, hat es den großen negativen Eindruck auf die junge Generation gemacht. Die Eltern verlieren die Autorität bei den Kindern. Die Folgen sind dann: die Jugendlichen bekommen das Gefühl der Unsicherheit und unklarer Zukunft im Leben. Das bringt zum depressiven Zustand und weiter zum Rauschgiftgenuss und zur Kriminalität.

Also es ist jetzt klar, wie wichtig das Problem der beruflichen Zukunft für die Aussiedler und Spätaussiedler ist.

Wie ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt:
  • Bei der hohen Arbeitslosigkeit hat die Wirtschaft Bedarf an rund 1,3 Millionen Ingenieuren nach BDI- und Medienberichten.
    Es ist bundesweit ein Lehrermangel bei den Schulen, besonders in NRW und Niedersachsen. Es besteht sogar eine Gefahr der Schließung von Hauptschulen infolge von Lehrermangel.
  •  
  • Ein Mangel an Ärzten (zum Beispiel, in Mecklenburg Vorpommern)
Also werden hochqualifizierte und erfahrene Akademiker auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Zwischen den eingewanderten 2,8 Millionen Aussiedlern und Spätaussiedlern sind 220 000 Akademiker.

Man sollte das Potential dieser Fachleute gebrauchen, sondern nicht 5–6 Jahre warten, bis die junge Ingenieure, Ärzte und Lehrer ausgebildet werden.

Was sollte man in der heutigen schweren wirtschaftlichen Situation und bei großer Zahl der Arbeitslosen (3,5 Millionen) unternehmen, um die berufliche Integration der russlanddeutschen Akademiker und Wissenschaftler zu beschleunigen.

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir feststellen, auf welche Schwierigkeiten die Akademiker und Wissenschaftler aus Russland und GUS-Ländern bei der Bewerbung um eine Arbeitsstelle in Deutschland stoßen:

  • 1. Verschiedenes Vorgehen bei der Bewertung eines Bildungsnachweises (Diploms) aus Russland und GUS-Ländern, besonders bei den Lehrern.

    Im Bereich Technik und Naturwissenschaft (Ingenieure, Chemiker, Physiker, Bauwesen, Geologie, Bergbau usw.) werden die in der früheren UdSSR erworbenen Diplome mit entsprechenden Fächern in Deutschland gleichwertig anerkannt. Aber die Diplome der Lehrer ohne zweitem Fach, Juristen und Wirtschaftler werden nicht anerkannt. Man muss Weiterbildung machen. Was bedeutet das für einen Menschen im Alter zwischen 40-50 Jahren? Keine Chance mal wieder in seinem Beruf zu arbeiten.

    Es wird nur auf Grund des Gesetzes über Führung akademischer Grade vom 07.06.1939 die Genehmigung, den im Ausland erworbenen Grad ausschließlich in Originalform, zum Beispiel, Ingenieur- Mechanik oder Ucitel matematiki srednej skoly, nicht in der umgewandelten deutschen Form, in Bundesrepublik zu führen.

    Diese Verordnung umfasst alle Fächerbereiche der Akademiker und Wissenschaftler aus Russland und GUS-Ländern.

    Diese Genehmigung muss man im Kultusministerium der Bundesländer bekommen. Aber das heißt nicht, dass Sie sich mit so einer Genehmigung auf dem Arbeitsmarkt bewerben können. Damit wird bestätigt, dass Sie eine Hochschulbildung im Ausland im bestimmten Fachbereich erworben haben und damit im Arbeitsamt eine Bestätigung als entsprechendes Berufskennzeichen (BKZ) oder Schlüsselzahl als Ingenieur, Chemiker, Lehrer usw., aber nicht als Facharbeiter, Laborantin, Pflegehelfer usw. erhalten können. Das kann auch einen Einfluss bei der zukünftigen Berechnung der Rente haben. Um einen Anspruch auf eine Arbeitsstelle im ihren Fachbereich zu erheben, müssen sie eine Zusatz- oder Weiterbildung leisten.

    Bezüglich der Lehrer. Die Bewertung des Diploms hat in verschieden Bundesländer mehrere Varianten. Aber der Grund der Nichtanerkennung der in ehemaliger UdSSR erbrachten Studien- und Prüfungsleistungen ist eine Staatsprüfung für das Lehramt statt zwei Staatsprüfungen an den öffentlichen Schulen.

    Für den Erwerb der Befähigung für das Lehramt an den Schulen muss man zuerst den Vorbereitungsdienst (Referendariat) ableisten und dann die zweite Staatsprüfung bestehen.

    Außerdem kann ein Teil von Ihren bereits abgelegten Prüfungen anerkannt werden, und das ermöglicht Ihnen, noch eine Staatliche PrüPrüfung in zusätzlicher Fachrichtung abzulegen, und im Endergebnis ein deutsches pädagogisches Diplom zu erwerben.

    Mit Polen ist die Frage der Diplomanerkennung durch den Staatlichen Abkommen zwischen BRD und Polen geregelt. Also, es ist nun die Zeit gekommen, so einen Abkommen über die Anerkennung des erworbenen Diploms mit Russland und Kasachstan zu treffen.

    Ohne diese Vereinbarung kommen unsere Akademiker und Wissenschaftler auf den deutschen Arbeitsmarkt nicht durch.
  •  
  • 2. Unzureichende Deutschkenntnisse bei den Absolventen der Sprachkurse ist die Ursache der

    Probleme, die bei den Russlanddeutschen während der beruflichen Integration entstehen.

    Es gibt eine Meinung, dass die Aussiedler selber daran schuld sind: Sie sprechen Russisch in Unterrichtspausen, zu Hause in der Familie, mit ihren Freunden und Bekannten. Ja, das ist wahr. Aber nicht die Hauptursache.

    Nach unserer Meinung gibt es objektive Gründe der unzureichender Sprachkenntnisse bei den Akademikern und Wissenschaftlern:

    Es gibt in meisten Fällen keine abgesonderte (separate) Sprachkurse für Akademiker und Wissenschaftler.

    Nichtanerkennung des Diploms. Wenn der Akademiker weiß, dass sein Beruf anerkannt wird, und er eine berufliche Perspektive hat, wird er bestimmt alles tun, um sich in der deutschen Sprache verständigen zu können.

    In mehreren Fällen bei dem Mangel an Deutschsprachlehrern werden in den Sprachkursen Leute eingestellt, die überhaupt keine Sprachlehrer sind. Das Ergebnis der Sprachkurse wäre viel besser für Gruppen aus Spätaussiedler, wenn man die Deutschlehrer aus Russland und GUS- Ländern einstellen könnte. Die Deutschlehrer aus Russland sind für den Unterricht Deutsch als Fremdsprache gut ausgebildet.

    Die Sprachkurse sollten von 6 Monate mindestens auf 9 Monate verlängern werden.

    Unzureichende Kontrolle des Sprachstudiums in den Sprachkursen.

    Regelmäßig sollte man eine Auswertung des Sprachstudiums gemeinsam mit den Lehrern und den Kursteilnehmern in den Sprachkursen von einem unabhängigen Aufsichtsrat durchführen, um herauszufinden, was die Ursache der mangelhaften Sprachkenntnisse nach dem Kursabschluss bei den Aussiedlern ist: Lehrbücher, Unterrichtsmethoden, Kursdauer, das Verhalten der Kursteilnehmer und Lehrer usw. Ausgehend von den Ergebnissen der Auswertung, sollte die Umgestaltung des Unterrichtsprozesses geplant werden, so könnte man dem Staat viel Geld sparen, dass im größten Teil umsonst ausgegeben wird. Verband IRWA könnte in dieser Frage Hilfe leisten. In den Sprachkursen sollte man lernen, wie man richtig die Briefe an verschiedene Behörden und Institutionen schreibt.
  •  
  • 3. Geringe Kenntnisse des deutschen Arbeitsrechts und Sozialrechts.

    Beim Erlernen der deutschen Sprache sollte man in den Sprachkursen parallel mit dem Erlernen der Sprache noch einen Kurs mit folgendem Inhalt einführen:
    • Die Deutsche Gesellschaft und ihre Mentalität;
    • Der Arbeitsmarkt in Deutschland;
    • Was erwartet die deutsche Gesellschaft von den Spätaussiedlern;
    • Die Chancen der Russlanddeutschen auf dem Arbeitsmarkt, mit Analyse und Begründung ihrer Möglichkeiten;
    • Rechtsfragen (das Notwendigste);
  •  
  • 4. Die Zusatz- und Weiterbildungszentren für Aussiedler mit Hochschulbildung, ihre Tätigkeit und Frist muss geändert und verbessert werden. Dort wird viel Geld und Zeit gebraucht. Die Spezialisten haben nach der Umschulung und Weiterbildung keinen garantierten Arbeitsplatz.

    Beispiel: Ein hochqualifizierter Programmierer in Programmierzentrum lernt ein ganzes Jahr was man in Zukunft braucht und nicht braucht. Aber er muss das ganze Jahr das lernen, was man in zwei – drei Monate erlernen kann. Für jeden wird vom Arbeitsamt in Monat 5500 Euro bezahlt + beinah 350Euro Fahrgeld. Für so viel Geld kann man Chinesisch lernen. Das gehört auch für andere Umschulungund Weiterbildungzentren.

    Für Junge Leute, die überhaupt keinen Beruf haben, ist solche Umschulung normal, aber nicht für Spezialisten mit mehrjähriger Erfahrung. Aber auch für die jungen Leute muss die Frist gekürzt werden.

    In anderen Ländern für eine solche Umschulung eines Programmierers braucht man bis 3 Monate.
  •  
  • 5. Das Umschulungsgeld der Agentur für Arbeit sollte besser an die Arbeitssuchendestellenfirmen überwiesen werden.

    Von einer Seite sind in den Zeitungen viele Anzeigen und Angebote: Wir brauchen Ingenieure, Techniker usw. Von der anderen Seite wird die Umschulung ohne Berücksichtigung der Bedürfnisse dieser Angebotsanzeige vom Arbeitsamt durchgeführt. Nach unserer Meinung gehört das zusammen. Dann könnte man viel Geld und Zeit sparen und die Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden zufrieden sein.

    Es geht also um Schicksal von Millionen Menschen.

    Das existierende Integrationskonzept für Spätaussiedler entspricht nicht den heutigen Forderungen und muss ergänzt werden.

    Man braucht ein neues berufliches Integrationsprojekt für Aussiedler und Spätaussiedler.
Ziel des Projektes:

Förderung der Fürsorge für Beschaffung der Bedingungen der beruflichen und sozialen Integration der deutschen Wissenschaftler, Akademiker und Studenten aus Russland und GUS-Ländern.

Verein IRWA hat entsprechende Wissenschaftler und Akademiker beim Aufbau eines Integrationsprojektes teilzunehmen.

Was kann man vom diesem Projekt erwarten? Das Projekt sollte den russlanddeutschen Jugendlichen und Akademiker eine Bewegung in Richtung Bildung, Konkurrenzfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt und Integrationsbeschleunigung in die Deutsche Gesellschaft bringen.

Sehr wichtig bei diesem Problem ist die Zusammenarbeit mit den Akademikern und Wissenschaftlern der deutschen Minderheit in Kasachstan, Russland und anderen GUSLändern. Als erster Schritt könnte die Gründung einer Expertengruppe der Wissenschaftler sein.