Freitag, 15. Dezember 2017 - 01:49
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Kulturprojekte

Poetische Begegnung im Gaestehaus St. Georg


Ein Regenbogen im Tagungs- und Gästehaus St. Georg in Köln
Die vom Integrationsverband IRWA am 19.August veranstaltete poetische Begegnung im Gästehaus St. Georg unter der charmanten Leitung von Inga Gerhardt ließ die Herzen der Besucher höher schlagen. Gäste aus Köln und Umgebung, Deutsche und Spätaussiedler trafen auf Gäste aus Weisrussland, die hier vom Maximilian-Kolbe-Werk betreut, einige Tage der Verarbeitung Ihrer Kindheitserinnerungen verbrachten. Als Kinder hatten sie knapp Konzentrationslager und Ghetto überlebt und berichteten in Schulen und verschiedenen Veranstaltungen über ihre grausamen Erfahrungen in ihrer Kindheit. Doch der Abend in St. Georg sollte der fröhlichen Entspannung dienen. Die sowohl auf deutsch als auch auf russisch vorgetragenen teils heiteren, teils feinsinnigen und einfühlsamen Texte von Natalia Gerhard, Marina Zaretskaja und Alyona Akatova-Rösler aus dem Buch "Erinnerung aus einem anderen Leben" spannten in erzählerischer Weise einen Bogen zwischen den Kriegsjahren und heute. Erinnerungen von älteren Freunden, eigene Erlebnisse aus der Kindheit und Jugendzeit in der heute nicht mehr existierenden Sowjetunion bis hin zu heutigen Eindrücken in der neuen Heimat Deutschland hielten die Zuhörer in aufmerksamer Spannung.Besonders die Geschichte "Die Geburt der Musik" von Alyona Akatova-Rösler traf mitten ins Herz besonders der Gäste, die selbst den Krieg und das Kriegsende miterlebt hatten.

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Ein Moskauer Kind, ein Junge von 8 Jahren, erlebt eine Station des Kriegsendes zusammen mit seiner Familie in der Evakuierung in Omsk. Um dem Bombenkrieg und den heranrückenden deutschen Truppen zu entgehen, verbringen wie er tausende andere Familien aus den verschiedensten Regionen Ruslands viele Monate hier in Zentralsibirien. Die Stadt ist in den Kriegsjahren von Hunger und Not gezeichnet. Einzige Abwechselung und kleiner Lichtblick sind die Konzerte der Leningrader Philharmonie, die ebenso hier Monate der Evakuierung verbringt. Da der Eintritt recht hoch ist, schickt die Familie die Kinder jeweils einzeln zu den Konzerten. Als unser Junge mäßig konzentriert der Musik lauscht, es interessieren ihn mehr die leckeren Schmalzbrote in der Konzertpause, wird das Konzert unterbrochen. Die sowjetische Stadt Harkov sei von den Nazis befreit worden. Die nun losbrandende, tobende Begeisterung der Zuhörer vobei fremde Menschen sich umarmen und trägt unseren Jungen als einziges Kind im Auditorium hoch hinaus über die Köpfe der Erwachsenen hinweg kreuz und quer durch den Saal. Von hunderten Händen getragen und geherzt, von unzähligen M?ndern geküsst, weil der Junge nicht, wie ihm geschieht. Diese unermeßliche Welle der Gefühle, die ihn trägt und umrauscht, gebiert in ihm die wirkliche Liebe zur Musik. Unendlich dankbar wird er sein Leben lang begeistert klassische Musik hören. Diese und viele anderen Geschichten ließen in St. Georg Deutsche, Spätaussiedler und die Gäste aus Weisrussland emotional zusammenwachsen. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Olga Ruppel, die gern gesungene Nachkriegslieder zum Besten gab. Handgefertigte Trachten aus Rußland, Weisrußland und der Ukraine, die von Nikolina Wald liebevoll angefertigt und präsentiert wurden, gaben der Veranstaltung einen schönen Rahmen. Höhepunkt waren das anschließende gemeinsame Gespräch und der gemeinsame Gesang, der den Abend wunderbar ausklingen ließ. Vielen wird dieser Abend lange in Erinnerung bleiben.

Christine Jans
Rolf Rösler