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Andre Geim – ein Russlanddeutscher bekommt Nobelpreis für Physik

Presseerklärung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e. V.

Den diesjährigen Nobelpreis für Physik (am 5. 10. 2010 bekanntgegeben) erhalten zu gleichen Teilen zwei Wissenschaftler, die in Russland geboren wurden und in Manchester/Großbritannien lehren und forschen: Prof. Dr. Andre Geim (52) und Prof. Konstantin Novoselov (36). Die Forscher werden für ihre bahnbrechende Arbeit zu dem modifizierten zweidimensionalen Kohlenstoff Graphen geehrt. Das Nobelkomitee der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften erklärte, das Material könnte die Welt der Elektronik revolutionieren.

Mit Andre Geim bekommt zum ersten Mal ein Russlanddeutscher den Nobelpreis. Geim ist mittlerweile niederländischer Staatsbürger, er selbst betrachtet sich als „Globetrotter, der in Europa von Land zu Land reist...“ Zusammen mit seiner Ehefrau Galina Grigoriewa lehrt und forscht er seit Jahren in Manchester, seit 2001 ist er Physikprofessor an der Britischen University of Manchester.


Foto: Körber-Stiftung

Andre Geim wurde 1958 in der Stadt Sotschi/Nordkaukasus der ehemaligen Sowjetunion in der Familie deutscher Eltern geboren. 1965 übersiedelte die Familie nach Naltschik/Kabardino-Balkarien, wo Andre bis 1975 seine Schulausbildung (an der Schule Nr. 3 mit vertieftem Englischunterricht) mit einem exzellenten Abschluss absolvierte. Sein Vater Konstantin Geim (geb. 1910 in Saratow) war Chefingenieur des Elektrovakuumbetriebs in Naltschik, die Mutter Nina Bayer (geb. 1927) arbeitete als Cheftechnologe und der Bruder Wladislaw (geb. 1951) als Ingenieur im gleichen Betrieb. Die Familienangehörigen kamen Mitte der 1990er Jahre nach Deutschland, wo der Vater 1998 verstorben ist.

Seinen Traum, am Moskauer Institut für Physikforschung (MIFI) zu studieren, konnte Geim wegen seiner deutschen Herkunft nicht verwirklichen. Nach zwei misslungenen Aufnahmeprüfungsversuchen (erst später erfuhr er, dass seine deutsche Nationalität das Hindernis war) wechselte er zum Moskauer Institut für Physik und Technologie (MFTI), wo er bis 1982 studierte. 1987 promovierte Geim am Institut für Festkörperphysik der Russischen Akademie der Wissenschaften in Tschernogolowka und forschte drei Jahre lang im Bereich der Mikroelektronik-Technologie am gleichen Institut. Danach folgten Forschungsaufenthalten in England und Dänemark. 1994 wurde Geim Associate Professor an der niederländischen Universität Nijmegen. 2001 wechselte er an die University of Manchester, wo er bis heute als Physikprofessor tätig ist.

In der Physik gilt der Forscher als Alleskönner, der in seinem Fachbereich eine große Bandbreite an Themen abdeckt. Mit seiner Forschung machte Geim immer wieder auch in der breiten Öffentlichkeit auf sich aufmerksam. Er publizierte eine Vielzahl wegweisender Artikel und Bücher und gilt als Koryphäe seines Faches.

Für seine Forschungsarbeit wurde er bereits vielfach geehrt, seit 2007 ist er Mitglied der Royal Society und erhielt in diesem Jahr die Hughes-Medaille der Royal Society.

2004 entdeckte Andre Geim den Stoff Graphen – ultraflache Kristalle aus nur einer Lage von Kohlenstoffatomen. Diese zweidimensionalen Kristalle sind hart wie Diamant, aber dennoch biegsam. Sie leiten elektrischen Strom besser und schneller als die meisten anderen Materialien und versprechen, die Mikroelektronik sowie Computertechnik zu revolutionieren. 2009 wurde Geim mit dem hochdotierten deutschen Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft ausgezeichnet.

VadW-Info (Nach Online-Berichten)

In der November-Ausgabe der Verbandszeitung „Volk auf dem Weg“ lesen Sie einen längeren Artikel zum Thema.